10 Temmuz 2016 Pazar

Vorwort

Vorwort


Steht Ihnen Gott nahe genug, der Eine, der Sie erschaffen hat und Sie in diese Welt gesetzt hat, der Sie mit Intelligenz ausgestattet hat und mit einem Körper? Wann haben Sie das letzte Mal zu Ihm gebetet? Beten Sie nur zu Gott, wenn Sie Sorgen haben oder halten Sie Ihn sich ständig in Erinnerung?
Sind Sie sich der Tatsache bewusst, dass Gott Ihnen sehr nahe ist, dass Er alles weiss, was sie flüstern oder auch nur denken? Denken Sie an Ihn als Ihren Herrn, den Herrn aller Menschen? Oder daran, dass Er Ihr intimster Freund ist, der Sie versorgt und dass Sie von Ihm alles erbitten können?
Wie Sie diese Fragen auch immer beantworten mögen, es ist zu Ihrem Vorteil, dass Sie dieses Buch lesen, denn es erklärt, wie nahe Gott Seinen Dienern steht und welche Art Gebet Er von Ihnen verlangt. Gott betont die Bedeutung des Gebets in dem Vers:
Sprich: "Mein Herr kümmert sich nicht um euch, solange ihr Ihn nicht anruft. Doch ihr habt ja geleugnet, und das wird euch nun anhaften." (Sure 25:77 -  al-Furqan)
Auch unser Prophet erinnert die Muslime an das Gebet mit den Worten: "Nichts ist Gott lieber, als einer Seiner Diener, der zu Ihm betet." (Tirmidhi) Es gibt keine Grenzen im Gebet zu Gott und dafür, Ihm nahe zu sein. Darum gereichen das Verständnis des Gebets und die Hingabe im Gebet jedem zum Vorteil.
Das Gebet ist das Band zwischen Gott und den Menschen. Der Mensch besitzt das angeborene Bedürfnis, eine Bindung zu Gott herzustellen: es ist seine ureigenste Natur. Das Gebet ist ein wesentlicher, natürlicher Teil im Leben des Gläubigen, obwohl die meisten Menschen nur in Zeiten von scheinbar unüberwindlicher Not beten. Doch Gott zieht es vor, dass wir sowohl in guten Zeiten, als auch in Zeiten schwerer Mühsal zu Ihm beten. Aus diesem Grund wird im Quran genauestens beschrieben, wie man aufrichtig zu Gott betet.
Der Quran beschäftigt sich in 209 Versen direkt oder indirekt mit dem Gebet, was darauf hinweist, welche Bedeutung das Gebet hat. Wer die Verse liest, versteht das Wesen dieser Form des Gottesdienstes besser.
Beten heisst, Gott anrufen, sich an Ihn wenden, inbrünstig bitten, um Hilfe bitten. Im Quran wird das Gebet auch beschrieben als das "sich wenden an Gott mit seiner ganzen Seele" und als das Eingeständnis der Schwäche und Ohnmacht vor Gottes unendlicher Macht und an Ihn gerichtete Bitte um Hilfe.
Jeder, der an Gott glaubt, betet zu Ihm in der einen oder anderen Weise. Doch für die meisten Menschen ist das Gebet nur die letzte Zuflucht, nachdem sie in Zeiten der Sorge alle anderen Möglichkeiten ausgeschöpft haben. Wenn die Not vorüber ist, vergessen Sie, sich an Gott zu erinnern und Ihn anzuflehen, bis zur nächsten Zeit der Not.
Andere missverstehen das Gebet vollständig. Für sie ist das Gebet irgendein unverständliches Ritual, das von den älteren Familienangehörigen gelehrt wurde. Sie denken nicht an Gottes Existenz, Seine Grösse und Macht, wenn sie beten. Sie denken kaum daran, dass Gott die Menschen immer sehen und hören kann und dass Er auf Gebete antwortet. Sie wiederholen auswendig gelernte Worte, ohne je über deren Bedeutung nachzudenken. Doch die Form des Gebets, die Gott im Quran beschreibt – das Thema dieses Buches – ist etwas völlig anderes.
Dem Quran entsprechend ist das Gebet der einfachste Weg, Gott zu erreichen. Rufen wir uns einige der Eigenschaften Gottes in Erinnerung. Er ist der Eine, der den Menschen näher ist, als ihre eigene Halsschlagader, der Eine, der alles weiss und alles hört... Nicht ein einziger der innersten Gedanken eines Menschen bleibt Gott verborgen. Da dies so ist, reicht es aus, es zu denken, wenn man etwas von Ihm erbittet. Das zeigt, wie leicht es ist, mit Gott in Kontakt zu treten.
Gott ist zufrieden, solange die Menschen sich bewusst sind, Seine Diener zu sein. Entsprechend sind die Hinwendung zu Gott, das Eingestehen der eigenen Fehler und die an Ihn allein gerichtete Bitte um Hilfe die Grundvoraussetzungen, um Gottes Diener zu sein. Jede gegenteilige Haltung bedeutet, überheblich gegenüber Gott zu sein, was dem Quran zufolge zu ewigen Qualen in der Hölle führt.
Heutzutage werden das Gebet wie auch andere Formen des Gottesdienstes von vielen Menschen als eine überflüssige Tradition angesehen. Diese Haltung wird verstärkt von der Vorstellung, die Welt sei selbstständig und unabhängig von Gott. Manche nehmen an, der Mensch habe die Kontrolle über die Ereignisse in seinem Leben, und so fühlen sie kein Bedürfnis, zu Gott zu beten, es sei denn, sie sind in grosser Not oder dem Tode nahe. Es ist ein Wahn, der die Menschen in manchen Fällen sogar glauben lässt, das Gebet sei eine Form von Magie, die bis in unsere Tage hinein überlebt hat. Doch die Wahrheit ist: Das Gebet ist eine Form des Gottesdienstes, die jeden Aspekt des Lebens durchdringt.
Alle Menschen, ohne Ausnahme, brauchen Gebete. Es ist falsch, anzunehmen, ein armer Mensch, der sein Leben unter harten Bedingungen fristen muss, habe das Gebet nötiger als jemand, der wohlhabend ist. Es ist falsch zu denken, jemand der alles, was er wünschte, bekommen hat, habe das Gebet nicht nötig, denn diese Überzeugung begrenzt die Bedeutung des Gebets auf die Befriedigung weltlicher Wünsche. Gläubige beten für ihr Leben in dieser und in der nächsten Welt. Das Gebet wird begleitet von Gott vertrauen, wodurch der Betende zu dem Bewusstsein gelangt, dass der Schöpfer und Richter des Universums Herr der Ereignisse ist, die dem Menschen in seinem Leben widerfahren, seine es unbedeutende oder grosse Ereignisse. Nur das Bewusstsein, dass alle Wege, ein Problem zu vermeiden oder zu lösen, bei Gott dem Allmächtigen sind, und allein das Vertrauen in Ihn und das Gebet zu Ihm geben dem Gläubigen das Gefühl der Erleichterung und der Sicherheit.

Das Gebet im Sinne des Quran

Das Gebet im Sinne des Quran

Können Sie sich erinnern, wann Sie das letzte Mal gebetet haben? Die Antworten der Leser mögen unterschiedlich ausfallen, doch was sie alle gemeinsam haben, ist, dass die meisten Menschen zu dieser oder jener Zeit beten. Tatsächlich können die Menschen zu Gott, unserem Herrn, zu jeder Zeit und an jedem Ort, um alles was sie wünschen, beten. Gott lenkt die Aufmerksamkeit auf die Tatsache, dass die Menschen an jedem Ort, den sie wünschen, beten und Ihn erinnern können:
Die da Gottes gedenken im Stehen und Sitzen und Liegen und über die Schöpfung der Himmel und der Erde nachdenken: "Unser Herr, Du hast dies nicht umsonst erschaffen! Preis sei Dir! Bewahre uns vor der Feuerspein! Unser Herr, siehe, wen Du ins Feuer führst, den stürzst Du in Schande; und die Ungerechten haben keine Helfer. Unser Herr, siehe, wir hörten eine Stimme, die zum Glauben riet: "Glaubt an eueren Herrn!", und so glaubten wir. Unser Herr, vergib uns unsere Sünden und decke unsere Missetaten zu, und lass uns mit den Frommen hinscheiden. Unser Herr, gib uns, was Du uns durch Deine Gesandten verheißen hast, und stürze uns am Tag der Auferstehung nicht in Schande. Siehe, Du brichst Dein Versprechen nicht." Und ihr Herr antwortet ihnen: "Siehe, Ich lasse keine Tat von euch verloren gehen, sei es von einem Mann oder einer Frau. Die einen von euch stammen ja von den anderen. Und diejenigen, die da auswanderten und aus ihren Häusern vertrieben wurden und auf Meinem Wege litten und kämpften und fielen - wahrlich, Ich will ihre Missetaten vergeben und wahrlich, Ich will sie in Gärten führen, durcheilt von Bächen, als Lohn von Gott, und Gott- bei Ihm ist der schönste Lohn.  (Sure 3:191-195 - Al Imran)
Gott beschreibt im Quran die Art Gebet, die Er am meisten liebt; sie wird im folgenden erklärt:

Man bete bescheiden, ohne die Stimme zu erheben

Wenn Sie in Not sind und verzweifelt sind und daher das Bedürfnis verspüren, zu Gott zu beten, wo würden Sie gerne beten? Sicher wären die nächtliche Abgeschlossenheit des eigenen Zimmers oder ein anderer sehr ruhiger Ort, der Ihnen das Gefühl von Gottes Nähe gibt, das was Sie suchen würden.
Spirituelle Lauterkeit im Gottesdienst kann am Besten erlangt werden an einem Ort, der die ungeteilte Aufmerksamkeit des Betenden sicherstellt. Wer das Bedürfnis verspürt, zu Gott zu beten, um seine Fehler zu korrigieren, zieht es vor, allein zu sein im stillen Gebet. Das Gebet des Propheten Zacharias, in dem er um einen Nachkommen bat, sind ein Beispiel für ein stilles Gebet.
Als er seinen Herrn im Verborgenen anrief, sprach er: "Mein Herr, siehe, mein Gebein ist gebrechlich und mein Haupt schimmert grau, aber nie blieb mein Gebet zu Dir unbeantwortet. (Sure 19:3-4 Maria)
Wie weiter oben beschrieben ist das Gebet das Eingeständnis der Schwäche und Ohnmacht vor Gottes unendlicher Macht und die an Ihn gerichtete Bitte um Hilfe. Deshalb verlangt das Gebet die absolute Erkenntnis und Akzeptanz der eigenen Schwäche und Armut vor Gott. Mit Sicherheit wird man dieses Bewusstsein nicht erreichen, wenn man unaufrichtig ist. Gott verlangt im Quran von den Gläubigen, bescheiden und im Stillen zu beten:
Rufet eueren Herrn in Demut und im Verborgenen an. Siehe, Er liebt die Maßlosen nicht. (Sure 7:55 - al- A'raf)
Und gedenke deines Herrn in deinem Herzen in Demut und Furcht und ohne laufe Worte, am Abend wie am Morgen. Und sei keiner der Achtlosen.  Siehe, diejenigen, die deinem Herrn Nähe sind, sind nicht zu stolz, Ihm zu dienen. Sie preisen Ihn und werfen sich vor Ihm nieder. (Sure 7:205-206 -  al-A'raf)
Gott lenkt unsere Aufmerksamkeit im Quran auf das einsame Gebet, dass mit einem tiefen Gefühl der dringenden Notwendigkeit verrichtet wird. Somit können die Kompliziertheit der äusserlichen Ausführung, die Zahl der Teilnehmer, oder die Lautstärke der Stimme des Betenden unter gar keinen Umständen Kriterien sein für ein erfolgreiches Gebet.
Man muss wissen: Eine laute Stimme beim Gebet trägt nicht dazu bei, dass Gott das Gebet erhört. Gott, der Allwissende, kennt selbst unsere innersten Gedanken, und Er ist uns näher als unsere Halsschlagader. Deshalb ist es nutzlos, die Stimme zu erheben, um von unserem Herrn gehört zu werden, Der uns ohnehin nahe ist. Man sollte eher still beten, oder in einer Lautstärke, die nur wir selbst hören können.
Die Verse unten lehren uns, dass wir sowohl im Gebet, als auch im alltäglichen Tun mit gemässigter Stimme sprechen sollen:
Mäßige deinen Schritt und dämpfe deine Stimme. Siehe, die hässlichste Stimme ist die Stimme von Eseln. (Sure 31:19 - Luqman)
Sprich: "Ruft Gott an oder ruft den Erbarmer an, wir ihr Ihn auch nennen mögt: Sein sind die schönsten Namen. Und bete nicht zu laut und auch nicht zu leise, sondern halte den Weg dazwischen ein." (Sure 17:110 - al-Isra)
Wie die Verse offenbaren, ist die im Quran beschriebene Form des Gottesdientes frei von Pathos und Prahlerei. Das Gebet wird nicht verrichtet, um andere zu beeindrucken: Der einzige Zweck ist es, seine Pflicht gegenüber dem Schöpfer zu erfüllen. Der Quran betont diesen Punkt ganz besonders. Die Verse über das Gebet legen Wert darauf, dass das Anrufen Gottes jemandes Religion aufrichtig zu Seiner Religion macht, was bedeutet, dass man das Gebet allein deswegen verrichtet, um Gottes Wohlgefallen zu erlangen, zu keinem anderen Zweck. Verse wie die folgenden belegen dies:
Er ist der Lebendige. Es gibt keinen Gott außer Ihm. Darum ruft Ihn an in aufrichtigem Glauben. Alles Lob gebührt Gott, dem Herrn der Welten! (Sure 40:65 - Ghafir)
So ruft Gott an, lauter im Glauben, auch wenn es den Ungläubigen zuwider ist. (Sure 40:14 - Ghafir)
Sprich: "Mein Herr hat Gerechtigkeit befohlen. So wendet euer Angesicht in jeder Moschee (zu Ihm) und ruft Ihn in lauterem Glauben an. So, wie Er euch schuf, kehrt ihr (zu Ihm) zurück. (Sure 7:29 - al-A'raf)
Die Religion gehört Gott allein. Alle Formen des Gottesdienstes werden ausgeführt, Gottes Wohlgefallen zu erlangen. Der einzige Weg, auf dem das möglich ist, ist die Verrichtung unseres Gebets in der Form, die Gott beschreibt.
Die ihr Gebet nicht verrichten oder keine andere Form des aufrichtigen Gottesdienstes für Gott ausüben, sind jene, die sich zur Schau stellen, und sie sind in einem grossen Wahn befangen. Gott sagt in einem Vers:
Wehe denn den Betenden, die in ihren Gebeten nachlässig sind, die nur dabei gesehen werden wollen. (Sure 107:4-6 - al-Maun)

Man fühlt Gottes Existenz im Gebet

Das Entscheidende beim Gebet ist der feste Glaube an Gott. In Situationen der Verzweiflung haben die Menschen keinerlei Zweifel an der Existenz Gottes und Seiner Hilfe. Doch der Mensch sollte auch in Zeiten der Zufriedenheit beim Gebet Gottes Existenz fühlen, Seine Macht und Grösse. Nicht nur im Gebet, sondern in jedem Augenblick des Lebens sollte der Gläubige dieses Bewusstsein bewahren. In jedem Augenblick muss er Gottes Existenz und Nähe fühlen und beten, denn nur jemand, der sich Gottes Existenz bewusst ist, erkennt Sinn und Bedeutung des Gebets. Das Gebet ist ein intimes persönliches Band zwischen den Menschen und Gott. Durch das Gebet drücken die Menschen all ihre Sorgen und Wünsche an Gott aus, und sie flehen Ihn an, ihnen beizustehen. Dafür antwortet Gott auf die Gebete Seiner Diener.
Das Gebet im Sinne des Quran kann auf keinen Fall reduziert werden auf einige wenige Rituale. Wie der Vers "... gedenkt Gottes, sei es stehend, sitzend oder liegend." (Sure 4:103 - an-Nisa) besagt, kann man Gott zu jeder Zeit und unter allen Bedingungen erinnern und zu Ihm beten, ohne notwendigerweise ein besonderes Ritual auszuführen. Denn was zählt, sind nicht die äussere Art der Ausführung, sondern jemandes Aufrichtigkeit.
Wer das missversteht, nimmt dem Gebet seine eigentliche Bedeutung und es wird wahrgenommen als eine Art Magie oder Zauber. Wir können dies an abergläubischen Praktiken mancher Unwissender beobachten, die Tücher an Bäume binden oder ins Wasser blasen. Man muss daran erinnern, dass Aberglaube das Gegenteil des Quranischen Denkens ist. Anstatt direkt zu Gott zu beten und ihre Bedürfnisse von Ihm zu erbitten, benutzen diese unwissenden Menschen abergläubische Rituale oder Symbole und beten mit deren Hilfe. Während sie dies tun, sind sie sich nicht bewusst, Wen sie anrufen.
Sie schreiben den Objekten, die sie anbeten, übernatürliche Kräfte zu, doch sie erkennen nicht das Wesen dieser Macht. Dies umfasst abergläubische Praktiken wie den Besuch von Gräbern und Beten zu den Toten, um von ihnen Hilfe zu erbitten, dabei sollten Friedhofsbesuche uns an den Tod und an Gottes Macht erinnern.
Der Gläubige, der Gottes Gebot befolgt, das besagt: "So gedenke des Namens deines Herrn und widme dich Ihm voll und ganz." (Sure 73:8 - al-Muzzammil), wendet sich an Gott allein, unterwirft sich und betet Ihn an.

Das Gebet schafft den Ausgleich zwischen Hoffnung und Furcht

Im Quran spricht Gott von Sich als "... der Barmherzigste der Barmherzigen." (Sure 21:83 - al-Anbiya). Auch wird klargestellt, dass Gott dem vergeben wird, der Böses getan hat, aber anschliessend bereut (Sure 4:110 - an-Nisa). Die Menschen sollten über diese Eigenschaft nachdenken, hoffen und beten. Ganz gleich, wie schwer die Sünde war, die ein Mensch begangen haben mag, und wie schlimm die Gewissensbisse sind, die er darüber empfinden mag, es ist kein Grund, an Gottes Vergebung zu zweifeln. Die seelische Verfassung, in der sich jemand befindet, der irrte und eine Sünde beging darf also niemals zum Hindernis für ein Gebet um Vergebung werden, denn Gott stellt im Quran ausdrücklich fest, dass nur Ungläubige die Hoffnung in Gottes Gnade verlieren: "... und zweifelt nicht an Gottes Erbarmen. Siehe, an Gottes Erbarmen zweifeln nur die Ungläubigen." (Sure 12:87 - Joseph)
Andererseits ist niemand vor der Strafe in der Hölle sicher. In der Tat warnt Gott die Menschen davor, wenn Er sagt: Denn vor der Strafe deines Herrn ist niemand sicher. (Sure 70:28 - al-Ma'arij). Daher sollte jeder, Gott soviel Gottesfurcht entgegenbringen, wie er kann. Die Menschen, deren Leben eine Prüfung ist, sind immer anfällig für Satan’s listige Täuschungen, und daher gehen sie wahrscheinlich fehl und verlassen den richtigen Weg. Niemandem ist ein Platz im Paradies sicher. Das erzeugt die Furcht in den Menschen, Gottes Wohlgefallen nicht zu erlangen, obwohl sie auf Seine Gnade hoffen.
Eine Eigenschaft des wahren Gläubigen, die ihn von allen anderen unterscheidet, ist daher die Gottesfurcht, denn ein Ungläubiger zweifelt sogar an der Existenz der Hölle. Gläubige hingegen sind sich der Existenz der Hölle voll und ganz bewusst, und sie empfinden sie als ernsthafte Drohung. Da sie felsenfest an den Tag des Gerichts glauben, empfinden sie die allergrösste Furcht. Nur jemand, der an Gott glaubt und den Hochmut vermeidet, wird in seiner Lebensführung von dieser Furcht beeinflusst. Er hat keinerlei Zweifel an der Existenz und der Härte der Höllenqualen, und er nimmt niemals eine Haltung ein, geschweige denn benimmt er sich in einer Weise, die das Risiko bergen würde, in die Hölle geworfen zu werden. Er strebt ausschliesslich nach dem Leben im Jenseits, mit seiner unendlichen Schönheit und unternimmt jede Anstrengung, sich von den Qualen fernzuhalten. Die Furcht der Gläubigen drückt sich in ihren Gebeten aus.
Darum finden wir die Affekte Furcht und Hoffnung nebeneinder im Quran. Wenn jemand die Qualen der Hölle im Gebet nicht fürchtet, so handelt es sich um einen grundsätzlichen Denk- und Verständnisfehler. Genauso eifrig, wie er für das Eingehen in das Paradies betet, muss er für die Bewahrung vor der Hölle beten. Durch die Furcht vor der Hölle erlangt er die Hoffnung auf das Paradies. Folgende Verse drücken dies aus:
Und stiftet auf Erden kein Verderben, nachdem in ihr Ordnung herrscht. Und ruft Ihn an in Furcht und Verlangen. Siehe, Gottes Barmherzigkeit ist denen Nähe, die Gutes tun. (Sure 7:56 - al-A'raf)
Sie erheben sich vom Nachtlager, um ihren Herrn in Fürcht und Verlangen anzurufen, und spenden von Unseren Geben. (Sure 32:16 - as-Sajda)
Furcht und Hoffnung sind die beiden wesentlichen Gefühlslagen, die dem Gebet, so wie es im Quran beschrieben ist, angemessen sind. Die genaue Beschäftigung mit dem Quran enthüllt die vitale Bedeutung, die diese beiden Affekte für alle Formen des Gebets und für jeden Moment des Lebens haben.
Wir müssen daran erinnern, dass das Gebet eine wichtige Pflicht gegenüber Gott ist und gleichzeitig ein Mittel, dass uns helfen wird, unser nächtes Leben zu gewinnen, denn Gott sagt im Quran, dass das Ende derer, die es versäumen, Gott anzubeten, die ewige Höllenqual sein wird.
Und euer Herr spricht: "Ruft mich an, Ich werde auf euch eingehen! Diejenigen aber, welche zu stolz dafür sind, Mich anzurufen, werden gedemütigt in die Hölle eintreten". (Sure 40:60 - Ghafir)

Man erinnert die Namen Gottes im Gebet

Gottes Namen helfen uns, Ihn kennenzulernen. Gott ist ar-Rahim, Der Allgnädige. Er ist al-Haqim, Der, Der alles unter Seiner Kontrolle hat. Er ist al-Razzaq, Der Eine, Der für die Menschen sorgt… Die Menschen können Gottes Grösse, Nähe und Macht besser verstehen, wenn Sie Ihn mit diesen Namen titulieren. Wenn man Ihn zum Beispiel um Nahrung bittet, kann man Ihn mit Seinem Namen al-Razzaq anreden. Gott erwähnt im Quran, dass wir unter Verwendung jeder Seiner Namen zu Ihm beten können.
Sprich: "Ruft Gott an oder ruft den Erbarmer an, wie ihr Ihn auch nennen mögt: Sein sind die schönsten Namen. Und bete nicht zu lauf und auch nicht zu leise, sondern halte den Weg dazwischen ein." (Sure 17:110 - al-Isra)
Und Gott gehören die schönsten Namen. Darum ruft Ihn mit ihnen an und verlasst jene, welche Seine Namen missbrauchen. Wahrlich, sie sollen für ihr Tun belohnt werden! (Sure 7:180 - al-A'raf)
Jemand, der Gottes Attribute kennt, versucht nicht, seine Fehler vor Gott zu verbergen, denn Ihm ist bewusst, dass Er sie ohnehin alle kennt, ob Er sie nun verbirgt oder nicht. Wissend, dass das Verbergen von Missetaten dem Gläubigen nur Unheil bringt, bereut er und sucht Vergebung für alle seine Sünden. So beginnt das Gebet des Propheten Abraham denn auch wie folgt:
O unser Herr! Siehe, Du weißt, was wir verbergen und was wir offen tun; denn nichts auf Erden und im Himmel ist vor Gott verborgen. (Sure 14:38 - Abraham)
Der Gläubige weiss, dass Gott alles unter Kontrolle hat, ganz gleich, was sein Wunsch auch sein mag, und dass Gott nur zu befehlen braucht, “Sei!” und es wird sein. Dies berücksichtigend, fühlt er keine unüberwindbare Barriere, Gottes Segen zu bekommen, und er überwindet alle Not und Mühsal durch das Gebet.
Abgesehen davon, Gott um Hilfe zu bitten und seine Bedürfnisse mitzuteilen, ist das Gebet auch ein Mittel, Gott zu erinnern und zu preisen. Der Quran gibt uns Beispiele für Lobpreisungen Gottes in den Gebeten der Propheten, die Seine Namen in ihnen äusserten:
Und sprach: "Oh Herr! Vergib mir! Und gib mir ein Reich, wie es keinem nach mir zukommt. Du bist ja fürwahr der Freigebige." (Sure 38:35 - Sad)
Unser Herr, lass unsere Herzen nicht mehr irregehen, nachdem Du uns geleitet hast, und gib uns aus Deiner Gnadenfülle! Siehe, Du bist der Schenkende. (Sure 3:8 - Al Imran)
Er sprach: "Mein Herr, vergib mir und meinem Bruder und lass uns eintreten in Deine Barmherzigkeit; denn Du bist der Barmherzigste der Barmherzigen." (Sure 7:151 - al-A'raf)
Da sprach Zacharias zu seinem Herrn: "Mein Herr, gib mir von Dir gute Nachkommen; Du erhörst ja die Gebete!" (Sure 3:38 - Al Imran)

Im Gebet sollen Standardformeln vermieden werden

Im Gebet erinnert man Gott, beichtet seine Sünden und drückt seine Bedürfnisse aus. Eine von Herzen kommende Aufrichtigkeit ist ganz wesentlich, damit das Gebet in diesem Sinn seine Bedeutung erlangt.
Die Menschen wiederholen im Gebet Standartformeln, weil sie, anstatt einen aufrichtigen Akt des Gottesdienstes auszuführen, sie das Gebet als eine Art Ritual, Brauch oder Gewohnheit verstehen. Wer Gottes Grösse begreift, Seine Strafe fürchtet und begierig ist, Sein Wohlgefallen zu erlangen, wird sich Ihm mit von Herzen kommender Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit zuwenden; und wer sich Gott unterwirft, Ihn als einzigen Freund und Helfer nimmt, der wird Ihm seine Sorgen und Nöte anvertrauen, wie im Falle des Propheten Jakob, der sagte: … "Siehe, ich trage meinen Kummer und Gram nur zu Gott…" (Sure 12:86 - Joseph). So wird er sein Leid und seine Bitten allein Gott vortragen und nur von Ihm Hilfe und Linderung erbitten.
In einem Gebet, dem diese Aufrichtigkeit fehlt – und das daher nur als obligatorisches Ritual oder magischer Zauber verrichtet wird – ist der Gebrauch von Standardformeln unvermeidlich. So wird das Gebet nur durch Äusserung einiger wiederkehrender Phrasen verrichtet, ohne dass über deren Bedeutung nachgedacht wird. Doch das Gebet ist das direkte Band zwischen dem Menschen und Gott. Jeder hat seine eigenen Probleme, Anforderungen, Wünsche und Seelenverfassung.
Die Gebete, die der Quran zitiert, besitzen einen ungekünstelten Charakter. Wenn wir die Gebete der Propheten allgemein betrachten, so finden wir grundsätzlich direkte, von Herzen kommende Formulierungen, die ihre wahre seelische Verfassung ausdrücken.

Man muss sich Zeit nehmen zum Gebet

Der Mensch ist von Natur aus ungeduldig, eine Tatsache, die in diesem Vers festgestellt wird:
"Der Mensch ist ein ungeduldiges Geschöpf. Ich werde euch Meine Zeichen zeigen, doch bedrängt mich nicht in eurer Ungeduld." (Sure 21:37 - al-Anbiya)
Wenn der Mensch ungeduldig ist, kann er durchaus Dinge tun, ohne die Folgen seines Verhaltens zu bedenken. Solche Eile zeigt sich gewöhnlich an der Begierde, weltliche Genüsse zu erlangen.
Die Menschen fühlen einen inneres Verlangen nach dem Paradies und Gottes Segnungen. Ein Grund, warum diese Segnungen ihre Gegenstücke in diesem Leben haben, ist, damit die Menschen das Paradies besser begreifen können und somit der Wunsch danach geweckt wird. Doch die Menschen in ihrer Hast und dem Wunsch, diese Segnungen zu erlangen, wollen ihre Wünsche sofort erfüllt bekommen. Selbst beim Gebet ist diese Eile manchmal zu erkennen. Die Menschen erwarten eine sofortige Antwort auf ihre Gebete. Wenn jemand das Gefühl bekommt, sein Gebet werde nicht beantwortet, kann er zu dem falschen Schluss kommen, es sei nicht erhört worden. Mit der Zeit wird die Ungeduld zur Hoffnungslosigkeit, sogar bis zu dem Punkt an dem mit dem Beten generell aufgehört wird. Unser Prophet hat diesen Punkt angesprochen, als er sagte: "Eure Bittgesuche werden beantwortet werden, solange Ihr nicht ungeduldig werdet und sagt: Ich habe zu meinem Herrn gebetet, doch Er hat nicht geantwortet. " (Al-Bukhari)
Wir müssen in Erinnerung behalten, dass Gott am Besten weiss, was gut für uns ist. Im Quran wird das in dem folgenden Vers erwähnt:
"… doch vielleicht verabscheut ihr etwas, das gut für euch ist, und vielleicht liebt ihr etwas, das schlecht für euch ist. Gott weiß es, ihr aber wisst es nicht." (Sure 2:216 - al-Baqara)
Deshalb muss der Diener Gottes zufrieden sein mit dem, was immer herauskommt nach einem Bittgebet, er muss wissen, dass die Entscheidung bei Gott allein liegt. Nicht alles, was wir wünschen, mag gut für uns sein. Deshalb antwortet Gott auf unsere Gebete nicht notwendigerweise so, wie wir es erwarten, sondern in der Weise, die Er für die angemessenste hält. Es kann durchaus sein, dass Gott das Gebet eines Gläubigen nicht in der Weise beantwortet, wie dieser es sich gewünscht hat, weil Er wünscht, dass die Weisheit dieses Gläubigen grösser werden möge, oder weil Er wünscht, dieser Gläubige möge seinen Charakter zum Besseren ändern, bevor das Gebet erhört wird. Es kann auch sein, dass Gott das Gewünschte durch etwas Besseres ersetzen wird und bis dahin die Geduld und Treue des Bittstellers prüft. Gott verlangt von uns ausdrücklich, standhaft zu sein im Gebet:
Und nehmt eure Zuflucht zur Geduld und zum Gebet. Siehe, dies ist fürwahr schwer, außer für die Demütigen. (Sure 2:45 - al-Baqara)
Gott rät uns im Quran, unbeugsam zu sein im Gebet. Das Gebet ist ein Akt des Gottesdienstes, und Geduld im Gebet ist wichtig für den Bittsteller. Ein entschlossenes Gebet in Zeiten der Not ist ein Zeichen, dass man eine Antwort auf das Gebet dringend braucht und wichtiger noch, es bringt einen näher zu Allah. Es vergrössert Weisheit und Willen des Gläubigen und es verbessert den Charakter. Ein Gläubiger, der auf seinem Gebet beharrt, bekommt die Antwort auf das Gebet in Form einer Seele, die Gott näher ist, und das ist eine viel wertvollere Antwort, als viele der Dinge, um die man bitten kann.
In manchen Fällen beteten die Propheten jahrelang beharrlich zu Gott und am Ende wurde ihre Gebete beantwortet: das Wiedersehen Jakobs mit seinem Sohn Joseph nach vielen Jahren, Joseph’s Freilassung aus dem Gefängnis nach vielen Jahren, dessen Beförderung zum Chef des Schatzamtes,  die Art und Weise, wie Gott Hiob erlöste, der klaglos gelitten hatte, all das sind herausragende Beispiele für Geduld.
Gott antwortete auf die Gebete dieser edlen Menschen erst nach einer gewissen Zeit, und zwar zu einem ganz bestimmten Zweck: Er vergrösserte ihre Weisheit, Er stärkte ihren Charakter, ihre Geduld und Aufrichtigkeit, und Er machte sie zu Dienern, würdig, das Paradies zu erlangen.
Es bekommt dem Gläubigen also nicht gut, wenn er ungeduldig auf eine Antwort auf sein Gebet wartet. Die einzige Verantwortung des Muslims ist es, Gottes Diener zu sein, und er muss damit zufrieden sein, was ihm vorherbestimmt ist. Ein wahrer Gläubiger muss seine Gebete als Teil dieser Verantwortung verrichten.

Das Gebet konzentriert sich nicht nur auf weltliche Dinge

Sollten wir im Gebet um weltliche Genüsse bitten, oder sollten wir uns einzig auf das Leben im Jenseits konzentrieren?
Gott betrachtet beide Arten Bittgesuche als gut für den aufrichtig Gläubigen. Ohne Zweifel ist das Leben in dieser Welt kurz, und es ist dazu bestimmt, zu enden. Gott gibt den Menschen Seine Segnungen, damit sie Ihm dankbar sein und Ihm näher kommen können. Eine Segnung bringt das Paradies in Erinnerung und lässt den Gläubigen an Gottes Namen denken und er wird Ihn preisen. Aus diesem Grund empfiehlt Gott den Gläubigen, sowohl für dieses Leben als auch für das kommende Leben zu beten. Er warnt sie aber ausdrücklich, alle Aufmerksamkeit auf die Verlockungen dieses vergänglichen Lebens zu richten. Im Quran wird erwähnt:
... Manche Menschen sagen lediglich: "Unser Herr, gib uns Gutes in dieser Welt!" Sie sollen am Jenseits keinen Teil haben. Andere unter ihnen sprechen: "Unser Herr, gib uns im Diesseits Gutes und im Jenseits Gutes und hüte uns vor der Strafe des Feuers." Diese sollen ihren Anteil haben, ihrem Verdienst entsprechend, und Gott ist schnell im Rechnen. (Sure 2:200-202 - al-Baqara)
Der Mensch fragt nach Dingen, die seine eigene Welt betreffen. Sein Streben und seine Lebensinteressen legen seine Art zu beten fest. Die sich Gott hingegeben haben, drücken in ihren Gebeten zusätzlich den Wunsch aus, dass sie die ihnen von Ihm auferlegten Pflichten erfüllen wollen.
Jemandes Ansprüche an dieses Leben mögen erfüllt werden. Doch das ist vielleicht nicht gut für ihn. Er bittet um Geld, doch das Geld kann ihn irregehen lassen, denn in einer Umgebung, in der materielle Werte vergöttert werden, wird nahezu jeder sich in einer Weise verhalten, die den Grundsätzen der Religion widerspricht.
Der fragliche Wunsch ist ein weltlicher, und er kann ohne weiteres erfüllt werden in dieser Welt. Doch das, was er im Jenseits vorfinden wird, muss nicht unbedingt seinen Erwartungen entsprechen. Einige der Verlockungen dieser Welt werden in folgendem Vers beschrieben:
Den Menschen ist es eine Lust, sich an Frauen und Kindern, aufgehäuften Schätzen aus Gold und Silber, Rassepferden, Herden und Ackerland zu erfreuen. Doch all das sind nur Genüsse des Lebens im Diesseits. Doch Gott – bei Ihm ist die schönste Heimstatt. (Sure 3:14 - Al Imran)
Natürlich bietet es so manchen Vorteil, diese Ziele im Leben zu erreichen, doch jeder dieser weltlichen Genüsse kann sich am Ende im Jenseits in einen Verlust verwandeln. Andererseits kann – wie die Beispiele der Propheten uns zeigen – ein weltlicher Vorteil, wenn er in der richtigen Absicht erbeten wird, auch ein Gewinn im Jenseits sein.
Diese edlen Menschen erbaten die temporären Gewinne dieser Welt, materielle Güter, Kinder und einen beneidenswerten Status in der Gesellschaft nur, um Gottes Wohlgefallen zu erlangen. Keiner der Propheten bat um Kinder wegen des Privilegs der Fortführung ihrer Linie: Sie wollten Kinder nur zu dem Zweck, dass diese nach ihnen zu Führern der Völker des Glaubens werden sollten.
Auch wenn jemand viele Kinder wünscht, um mit ihnen zu prahlen, sein Gefühl der Überlegenheit durch sie zu pflegen, kann Gott diesen Wunsch erfüllen. Doch wegen der mit diesem Wunsch verbundenen Prahlerei und Überheblichkeit, entfernt sich dieser Mensch von Gott, und er wird im Jenseits keinerlei Belohnung für diesen Wunsch erhalten.
Ein Gebet, dass sich ausschliesslich an weltlichen Genüssen orientiert, ist also nicht nur nicht gut für den Gläubigen, sondern stellt auch eine Form von Unaufrichtigkeit seinerseits dar. Das Hauptziel des Gläubigen ist das Paradies. Im Gebet darf der Gläubige daher nicht den wirklichen Ort des Daseins aus den Augen verlieren, sondern er muss all seine Aufmerksamkeit auf das Leben im Jenseits richten. Deswegen muss er um Dinge für die Belange dieser Welt und für die Belange des Jenseits beten.

Man soll nicht nur für sich selbst, sondern für alle Gläubigen beten

In den Gesellschaften der Unwissenden sehnen sich die Menschen nach den Besten von allen Dingen: das beste Auto, das beste Haus, viel Geld, eine schöne Ehefrau etc. Es ist nicht ungewöhnlich, dass sie eifersüchtig mit ihren besten Freunden und ihren nächsten Verwandten streiten.
Die nach den Werten des Quran leben, teilen was sie besitzen, mit anderen. Gläubige verstehen, dass ihnen ihr Besitz in dieser Welt nicht wirklich gehört, dass er von Gott kommt; also teilen sie ihn mit anderen, wenn sie können. Im Quran weist Gott auf diesen Punkt hin, wenn Er über die Eigenschaften der Gläubigen spricht.
Diejenigen, die vor ihnen hier (in Medina) im Glauben zu Hause waren, lieben die, welche zu ihnen auswanderten, und fühlen in sich kein Verlangen nach dem, was ihnen gegeben wurde. Sie ziehen (die Flüchtlinge) vor, auch wenn sie selbst bedürftig sind. Wer so vor seiner eigenen Habsucht bewahrt ist - dem ergeht es wohl.  (Sure 59:9 - al-Hashr)
Dieses Vertrauen, das Gläubige füreinander empfinden und die Bedeutsamkeit des Strebens nach Gutem für den Anderen wird in zahlreichen weiteren Versen erwähnt:
Und die Gläubigen, Männer und Frauen, sind einer des anderen Freund. Sie gebieten das Rechte und verbieten das Unrechte und verrichten das Gebet und zahlen die Steuer und gehorchen Gott und Seinem Gesandten. Sie - wahrlich, Gott erbarmt sich ihrer. Siehe, Gott ist mächtig und weise. (Sure 9:71 - at-Tawba)
Die Gemeinschaft der Gläubigen manifestiert sich auch in deren Gebeten, was dadurch geschieht, dass Gläubige oftmals "wir" anstatt "ich" sagen, wenn sie sich an Gott wenden. Der Grund dafür ist, dass der Gläubige im Gebet nicht nur für sich selbst, sondern auch für alle anderen Gläubigen bittet. Ohne Zweifel kann man Gott auch aus ganz persönlichen Gründen um etwas bitten. Man kann um Gottes Hilfe bitten, wenn man bereut oder wenn man die Höllenqualen vermeiden will oder am Tag des Gerichts nicht gedemütigt werden will. Bittet man aber um diese Dinge auch für andere Gläubige, dann besitzt man eine Eigenschaft, die im Quran gepriesen wird, wie die folgenden Verse offenbaren:
"... Herr, strafe uns nicht für Vergesslichkeit und Fehler. Oh Unser Herr, bürde uns keine Last auf, wie Du sie denen vor uns aufgebürdet hast. Oh Unser Herr, lass uns nicht tragen, wozu unsere Kraft nicht ausreicht, und vergib uns und verzeihe uns und erbarme Dich unser! Du bist unser Beschützer. Und hilf uns gegen das Volk der Ungläubigen." (Sure 2:286 - al-Baqara)
Oh Herr, lass unsere Herzen nicht mehr irregehen, nachdem Du uns geleitet hast, und gib uns aus Deiner Gnadenfülle! Siehe, Du bist der Schenkende. Herr, Du wirst gewiss die Menschen an einem Tage versammeln, daran ist kein Zweifel. Wahrlich, Gott bricht Sein Versprechen nicht. (Sure 3:8-9 - Al Imran)
Herr, wir glauben an das, was Du herabgesandt hast, und folgen dem Gesandten. Darum zähle uns zu den Bezeugenden." (Sure 3:53 - Al Imran)

Zeit und Ort für das Gebet

Zeit und Ort für das Gebet


Wer wie im Quran beschrieben betet, betet mit der Anerkennung seines Status als Gottes Diener. Er fühlt eine tiefe Ergebenheit vor Gottes Macht und er ist sich sicher, dass Gott ihn sieht und hört.
Dem Quran zufolge kann das Gebet nicht auf eine bestimmte Zeit oder einen bestimmten Ort beschränkt sein, denn da die Wünsche und Bedürfnisse der Menschen niemals nachlassen, enden auch ihre Gebete nicht. Also hat das Gebet keine zeitliche Beschränkung.
Der Quran erwähnt jedoch die am besten geeigneten Gebetszeiten, wie das Nacht- und das Morgengebet, wenn man sich von seinen täglichen Aufgaben distanziert, um sich auf das Gebet zu konzentrieren. In einem Vers wird die Bedeutung des Morgengebets betont:
"... Die Standhaften, Wahrhaftigen, Andachtsvollen und Spendenden und die im Morgengrauen um Verzeihung Flehenden." (Sure 3:17 - Al Imran)
In anderen Versen wird erwähnt, dass das Nachtgebet die beste Gelegenheit zum Nachdenken und zum Lesen des Quran bietet:
Fürwahr, das Gebet in der Nacht macht stärkeren Eindruck und lässt dich leichter das richtige Wort finden, während du am Tage lange den Geschäften nachgehen kannst. So gedenke des Namens deines Herrn und widme dich Ihm voll und ganz. (Sure 73:6-8 - al-Muzzammil)
Obwohl es keine zeitliche Beschränkung für das Gebet gibt, gibt es Gründe, warum der Quran besonderen Wert auf Morgen- und Nachtgebet legt. Der Gläubige, der den neuen Tag mit einem aufrichtigen Gebet beginnt und dadurch eine enge Beziehung zu Gott herstellt, wird eindringlich daran erinnert, Gottes Zustimmung zu erlangen, indem die von Ihm gesteckten Grenzen beachtet werfen. Wer seinen Tag im Gebet beginnt, benimmt sich in dem Bewusstsein, dass Gott ihn in jedem Moment sehen kann.
Das Nachtgebet ist eine Gelegenheit für den, der sich tagsüber den weltlichen Aufgaben des Lebens gewidmet hat, seine Haltung und Handlungen neu auszurichten; Nachdenken am Ende des Tages trägt zum Verständnis vergangener Ereignisse bei und ermöglicht dem Menschen, bewusst die göttliche Weisheit in scheinbar negativen Ereignissen des Tages zu erkennen, die als sie eintraten, sinnlos erschienen.
Das Nachtgebet hilft den Menschen über die Fehler, die sie tagsüber begangen haben, nachzudenken, zu bereuen, Vergebung zu suchen und sich von möglichen negativen Emotionen frei zu machen, die ihr Gemüt trüben könnten.
Davon abgesehen braucht das Gebet nicht an einem bestimmten Ort verrichtet zu werden. Man kann beten im Einkaufszentrum, auf der Strasse, im Auto, in der Schule, bei der Arbeit, überall. Wichtig ist, sich zu erinnern: Wo immer der Mensch sich auch befindet, Gott ist ihm näher als die eigene Halsschlagader: Gott beschreibt im Quran, wie die Propheten Ihn zu allen Zeiten und allen möglichen Orten anriefen:
Da tränkte er für sie. Dann zog er sich in den Schatten zurück und betete: "Oh Herr! Ich bedarf dringend, was immer Du an Gutem auf mich herabsendest."  (Sure 28:24 - al-Qasas)

Die Sorge, ein Gebet werde nicht beantwortet werden

Aufgrund einer gewissen Gewöhnung, die durch ständige Wiederkehr bestimmter Dinge in unserem Leben eintritt, passiert es, dass wir die unbeschreiblichen Wunder, die ständig geschehen, nicht mehr wahrnehmen. Im Lauf der Zeit beginnen manche Menschen zu glauben, Ereignisse auf der Erde träten zufällig ein. Tatsächlich bestreiten die meisten dieser Menschen Gottes Existenz nicht, jedenfalls lehnen sie Ihn nicht rundheraus ab. Doch sie nehmen an, das Universum funktioniere unabhängig von Gott, dass Gott keinen Einfluss nimmt auf die Geschehnisse in der Welt, oder dass Er nur von Zeit zu Zeit durch „Wunder“ interveniert. Wer Gott jedoch nicht in der Weise ansieht, die Ihm zukommt, kann auch nicht verstehen, dass Gott Gebete erhört. Selbst wenn er betet, hat er Zweifel, dass Gott antworten wird.
Der Gläubige jedoch ist sicher, dass Gott ihn erhört und auf die eine oder andere Weise antworten wird, denn er weiss, dass Ereignisse nicht zufällig stattfinden, sondern in Übereinstimmung mit einem von Gott bestimmten Schicksal. Daher sorgt er sich niemals, dass sein Gebet unbeantwortet bleiben könnte. Gott erhört von Herzen kommende Gebete. Gott stellt klar:
Und wenn dich Meine Diener nach mir fragen, siehe, Ich bin nahe. Ich will dem Ruf des Rufenden antworten, sobald er mich ruft. Doch auch sie sollen meinen Ruf hören und an mich glauben; vielleicht schlagen sie den rechten Weg ein. (Sure 2:186 - al-Baqara)
Ein anderer Vers lautet: "Wer antwortet denn dem Bedrängten, wenn er Ihn anruft, und beseitigt des Übel und macht euch zu Statthaltern auf Erden? Was? Ein Gott neben Allah? Wie wenig nehmt ihr es euch zu Herzen!" (27:51 – an-Naml) Dieser Vers bekräftigt, dass Gott alle aufrichtigen Gebete beantwortet.
Man muss also um Hilfe beten in der festen Überzeugung, dass Gott helfen wird. Zweifel daran, ob Gott das Gebet erhört ist eine Haltung, die dem Quranischen Denken grundsätzlich widerspricht. Folgender Hadith unseres Propheten weist auf diese Tatsache hin: "Man soll seinen Herrn mit Willenskraft und völliger Hingabe bitten, denn in den Augen Gottes gibt es nichts, das Er nicht gewähren könnte." (Muslim)
Aus diesem Grund sind die zwei Haupteigenschaften eines Bittstellers Aufrichtigkeit und Gott vertrauen. Gott möchte, dass Seine Diener Ihm nahe sind. Er beantwortet die Gebete Seiner Diener, wenn sie mit aufrichtigem Herzen verrichtet werden. Für Gott, Der die Menschheit aus einem einzigen Wassertropfen erschaffen hat und das Universum aus dem Nichts, ist es ganz leicht, Gebete zu beantworten. Alles was man tun muss, ist sich Gott zuzuwenden mit ehrlichem Glauben und in Geduld.
Der grösste Fehler, den die Menschen im Zusammenhang mit dem Gebet machen, ist das Aufhören mit dem Beten aufgrund der Sorge, das Gebet werde nicht erhört werden. Das ist in vielerlei Hinsicht eine falsche Haltung, sogar eine Haltung der Unwissenheit. Die Antwort auf ein Gebet ist nicht notwendigerweise genau die, die erwartet wird. Man könnte für etwas gebetet haben, das schädlich wäre. Folgender Vers macht diesen Punkt klar:
"Und der Mensch erbittet Schlechtes so wie er Gutes erbittet; denn der Mensch ist voreilig." (Sure 17:11 - al-Isra)
Der Grund, warum der Mensch vielleicht nicht unmittelbar direkt nach dem Gebet eine Antwort erhält oder warum er eine Antwort erhält, die nicht seinen Erwartungen entspricht, ist der, dass er von Gott geprüft wird. Gott kann Seine Segnung sehr wohl zu einem bestimmten Zweck erst nach einer gewissen Zeit zuteil werden lassen, um Seinen Diener zu prüfen zum Beispiel oder um ihn fester im Glauben werden zu lassen.

Die Sorge, ein Gebet werde nicht beantwortet werden

Die Sorge, ein Gebet werde nicht beantwortet werden

Aufgrund einer gewissen Gewhnung, die durch stndige Wiederkehr bestimmter Dinge in unserem Leben eintritt, passiert es, dass wir die unbeschreiblichen Wunder, die stndig geschehen, nicht mehr wahrnehmen. Im Lauf der Zeit beginnen manche Menschen zu glauben, Ereignisse auf der Erde trten zufllig ein. Tatschlich bestreiten die meisten dieser Menschen Gottes Existenz nicht, jedenfalls lehnen sie Ihn nicht rundheraus ab. Doch sie nehmen an, das Universum funktioniere unabhngig von Gott, dass Gott keinen Einfluss nimmt auf die Geschehnisse in der Welt, oder dass Er nur von Zeit zu Zeit durch "Wunder" interveniert. Wer Gott jedoch nicht in der Weise ansieht, die Ihm zukommt, kann auch nicht verstehen, dass Gott Gebete erhrt. Selbst wenn er betet, hat er Zweifel, dass Gott antworten wird.
Der Glubige jedoch ist sicher, dass Gott ihn erhrt und auf die eine oder andere Weise antworten wird, denn er weiss, dass Ereignisse nicht zufllig stattfinden, sondern in bereinstimmung mit einem von Gott bestimmten Schicksal. Daher sorgt er sich niemals, dass sein Gebet unbeantwortet bleiben knnte. Gott erhrt von Herzen kommende Gebete. Gott stellt klar:
Und wenn dich Meine Diener nach mir fragen, siehe, Ich bin nahe. Ich will dem Ruf des Rufenden antworten, sobald er mich ruft. Doch auch sie sollen meinen Ruf hren und an mich glauben; vielleicht schlagen sie den rechten Weg ein. (Sure 2:186 - al-Baqara)
Ein anderer Vers lautet: "Wer antwortet denn dem Bedrngten, wenn er Ihn anruft, und beseitigt des bel und macht euch zu Statthaltern auf Erden? Was? Ein Gott neben Allah? Wie wenig nehmt ihr es euch zu Herzen!" (27:51 - an-Naml) Dieser Vers bekrftigt, dass Gott alle aufrichtigen Gebete beantwortet.
Man muss also um Hilfe beten in der festen berzeugung, dass Gott helfen wird. Zweifel daran, ob Gott das Gebet erhrt ist eine Haltung, die dem Quranischen Denken grundstzlich widerspricht. Folgender Hadith unseres Propheten weist auf diese Tatsache hin: "Man soll seinen Herrn mit Willenskraft und vlliger Hingabe bitten, denn in den Augen Gottes gibt es nichts, das Er nicht gewhren knnte." (Muslim)
Aus diesem Grund sind die zwei Haupteigenschaften eines Bittstellers Aufrichtigkeit und Gott vertrauen. Gott mchte, dass Seine Diener Ihm nahe sind. Er beantwortet die Gebete Seiner Diener, wenn sie mit aufrichtigem Herzen verrichtet werden. Fr Gott, Der die Menschheit aus einem einzigen Wassertropfen erschaffen hat und das Universum aus dem Nichts, ist es ganz leicht, Gebete zu beantworten. Alles was man tun muss, ist sich Gott zuzuwenden mit ehrlichem Glauben und in Geduld.
Der grsste Fehler, den die Menschen im Zusammenhang mit dem Gebet machen, ist das Aufhren mit dem Beten aufgrund der Sorge, das Gebet werde nicht erhrt werden. Das ist in vielerlei Hinsicht eine falsche Haltung, sogar eine Haltung der Unwissenheit. Die Antwort auf ein Gebet ist nicht notwendigerweise genau die, die erwartet wird. Man knnte fr etwas gebetet haben, das schdlich wre. Folgender Vers macht diesen Punkt klar:
"Und der Mensch erbittet Schlechtes so wie er Gutes erbittet; denn der Mensch ist voreilig." (Sure 17:11 - al-Isra)
Der Grund, warum der Mensch vielleicht nicht unmittelbar direkt nach dem Gebet eine Antwort erhlt oder warum er eine Antwort erhlt, die nicht seinen Erwartungen entspricht, ist der, dass er von Gott geprft wird. Gott kann Seine Segnung sehr wohl zu einem bestimmten Zweck erst nach einer gewissen Zeit zuteil werden lassen, um Seinen Diener zu prfen zum Beispiel oder um ihn fester im Glauben werden zu lassen.

Gesprochene Gebete und Gebete durch Handeln

Gesprochene Gebete und Gebete durch Handeln

Zusätzlich zu den gesprochenen Gebeten erwartet Gott von Seinen Dienern, dass sie durch aktives Handeln zeigen, wie wichtig ihnen ein Gebet ist, mit dem sie etwas erbitten wollen. Dies nennt man Beten durch Handeln.
Beten durch Handeln heisst, alle Mittel ausschöpfen, um ein gewünschtes Ziel zu erreichen. Um die Universitätsaufnahmeprüfungen zu bestehen, zum Beispiel, muss man die entsprechenden Formulare ausfüllen, Kurse besuchen und lernen. Alle diese Aktivitäten sind Gebete durch Handeln. Gott um Erfolg zu bitten, während man all dies tut, ist ebenso ein Gebet. Beten durch Handeln ist ein grundlegender Akt des Gottesdienstes, der die Verrichtung der gesprochenen Gebete begleiten muss.
Ein anderes Beispiel für die Kombination von gesprochenem Gebet und dem Gebet durch Handeln ist die Reue. Die Bitte um Vergebung für eine Sünde ist ein gesprochenes Gebet. Doch damit ist die eigene Verantwortung nicht zu Ende. Wer zu Gott betet, Er möge ihn vor dem Bösen bewahren, muss sich auch selbst in dieser Richtung anstrengen und seine Willenskraft einsetzen in Situationen, in denen er zwischen dem Richtigen und dem Falschen wählen muss. Das heisst, er muss wahrhaftig bereuen und er darf nicht auf den früheren falschen Weg zurückkehren. Dieser gesamte Prozess wäre in diesem Fall Beten durch Handeln.
Genauso falsch, wie nur das gesprochene Gebet zu verrichten, ohne auch durch Handeln zu beten, wäre es, zu sagen „ich habe diese Aufgabe erfüllt“, ohne auch ein gesprochenes Gebet zu verrichten, nachdem das Gebet durch Handeln vollzogen wurde.

Gebete sind allein an Gott gerichtet

Gebete sind allein an Gott gerichtet

Gott jemand anderen beizugesellen ist Götzenanbetung (shirk), die allerschwerste Sünde, die man gegen Gott begehen kann. Gott betont die Schwere dieses Vergehens im Quran:
Siehe, Gott vergibt nicht, dass man Ihm Götter beigesellt, doch verzeiht Er im übrigen, wem Er will. Wer Gott Götter beigesellt, hat eine gewaltige Sünde ersonnen. (Sure 4:48 - an-Nisa)
Götzenanbetung hat es immer gegeben in der Geschichte und ist auch in unserer Zeit weit verbreitet. Viele Menschen halten es für absurd, selbst Götzenanbeter zu sein, auch wenn sie bereits Gott anderes beigesellt haben; denn Götzenanbetung bedeutet nichts anderes als, anderen Wesen Gottes Eigenschaften zuzuschreiben. Falls es also jemandes Lebensziel ist, die Zustimmung von anderen als Gott zu erhalten und diese anderen zufriedenzustellen, dann gesellt er Gott Götzen bei.
Beten ist das wichtigste Mittel, sich selbst vor dem Götzendienst zu bewahren, denn im Gebet erkennt der Betende tief in seinem Innern Gottes Existenz und Einheit an, und er erkennt, dass es niemand anderen gibt, an den man sich wenden könnte. Aus diesem Grund bewahrt das Gebet den Gläubigen vor dem Götzendienst. Gleichzeitig ist das Gebet ein Eingeständnis der eigenen Schwäche vor Gott und dass Er allein es ist, Der ihm helfen kann. So schützt das Gebet den Gläubigen vor dem Götzendienst.
"Oh Prophet! Dir genügt Gott und wer dir von den Gläubigen folgt." (Sure 8-64 - al-Anfal)
Dieser Vers verdeutlicht: Muslime wissen, dass der Einzige, bei dem man Hilfe suchen kann, Gott ist. Er ist der Eine, Der in jeder Weise überlegen ist, der Besitzer unendlicher Macht und der Eine, Der alles sieht und hört. Gott ist es, Der über allem anderen steht und Er ist es, Der zu lobpreisen ist. Er hat alle Macht im gesamten Universum. Da dies so ist, müssen Hilfe und Vergebung ausschliesslich bei Gott gesucht werden, Dem einen, Der jenseits aller Bedürfnisse reich ist, dem Lobenswerten. Gott beschreibt im Quran die Schwere des Fehlers, zu jemand anderem zu beten, als zu Ihm:
Und rufe nicht neben Gott eine andere Gottheit an, damit du nicht unter denen bist, die Strafe erleiden werden! (Sure 26:213 - ash-Shuara)
In weiteren Versen beschreibt Gott die Situation derer, die zu anderen als Ihm beten:
Aber jene, die sie neben Gott anrufen, erschaffen nichts, sondern sind erschaffen. Tot sind sie, ohne Leben. Und sie wissen nicht, wann sie erweckt werden. (Sure 16:20-21 - an-Nahl)
Ein aufrichtiger Gläubiger betet also zu niemand anderem als Gott. Er fleht nur zu Ihm und bitte nur Ihn allein um Hilfe. In der Sure al-Fatiha, der ersten Sure des Quran, rät Gott den Gläubigen, folgendermassen zu beten.
Dem Herrscher am Tage des Gerichts! Dir dienen wir und zu Dir rufen wir um Hilfe. Leite uns auf den rechten Pfad, auf den Pfad derer, denen Du gnädig bist, nicht derer, denen Du zürnst, und nicht auf den der Irrenden. (Sure 1:4-7 - al-Fatiha)
Dem Muslim geziemt es, über Gottes unendliche Macht nachzudenken, diese zu begreifen, sich mit ganzem Herzen bedingungslos dieser Macht zu unterwerfen und nur von Ihm Hilfe zu erbitten. Jede andere Haltung bringt Kummer, sowohl in dieser Welt als auch im Jenseits. So lautet Gottes Versprechen.

Das Gebetsverständnis der Unwissenden

Das Gebetsverständnis der Unwissenden

Jene, die sich andere Götter als Gott nehmen, Götzendiener also, beten auch von Zeit zu Zeit zu Gott. Doch die Gebete der Götzendiener unterscheiden sehr von denen der Gläubigen. Götzendiener erinnern sich nur in Zeiten der Not daran, dass sie Gott brauchen, und sie beten nur, um aus der Not gerettet zu werden.
Doch die Menschen brauchen Gott in jedem Moment ihres Lebens. Der Unterschied zwischen dem Gebet eines Gläubigen und dem eines Götzendieners liegt genau in diesem Punkt: Gläubige wenden sich jederzeit und unter allen Umständen an Gott. Sie warten nicht solange, bis schwere Zeiten kommen, denn sie haben das Bedürfnis Gott näher zu kommen, und deswegen beten sie in jedem Moment.
Vielsagende Eigenschaften der Götzendiener sind ihre Undankbarkeit und ihre Doppelzüngigkeit gegenüber Gott. In Zeiten der Sorge und Not wenden sie sich an Gott. Sind die Sorgen von ihnen genommen, vergessen sie Gott völlig, als seien nicht sie es gewesen, die Ihn angerufen hatten. Sie nehmen an, andere als Gott steuerten die Ereignisse. Ihnen ist nicht klar, dass alles auf der Erde nach Gottes Willen geschieht. Aufgrund dieser oberflächlichen Sichtweise vergessen sie, dass alles, was sie sich erhoffen, bereits unter Gottes Kontrolle ist. Werden sie beispielsweise krank, so meinen sie, es seien die Ärzte, die Medikamente oder die Medizintechnik des Krankenhauses, die für ihre Heilung sorgen. Sie erkennen nicht, dass es Gott ist, Der jede Krankheit kuriert und Der die Medikamente und die Ärzte erschafft. Wenn Ärzte und Medikamente, in die sie so viel Vertrauen setzten, versagen, erst dann denken sie daran, bei Gott Zuflucht zu suchen, etwas, das ihnen vorher nie in den Sinn gekommen war. Tatsache ist jedoch, dass Gott es ist, Der den Menschen heilt. Die Unwissenden aber können diese Tatsache nicht erkennen. Sie sind undankbar. In einem Vers wird diese Undankbarkeit so erwähnt:
Aber wenn dem Menschen ein Unglück widerfährt, ruft er Uns an, liegend, sitzend oder stehend. Haben Wir aber sein Unglück von ihm fortgenommen, fährt er fort mit seinem Tun, als hätte er Uns gegen das Unheil, das ihm widerfahren war, gar nicht angerufen. So wird den Maßlosen ihr Verhalten scheinbar verlockend gemacht. (Sure 10:12 - Jonas)
Dass jemand sich in Notzeiten an Gott erinnert, beweist eines: Er weiss bereits, dass Gott der Einzige ist, bei Dem er Zuflucht suchen kann. Diese Tatsache - die bis dahin missachtet wurde, da sie mit seinen persönlichen Interessen kollidiert – wird angesichts der Not wieder berücksichtigt. Doch sobald er aus der Not gerettet ist, fällt er wieder in Undankbarkeit. Im Quran wird dies anhand eines Beispiels beschrieben:
Er ist es, der euch zu Land und See reisen lässt. Wenn ihr auf den Schiffen seid und sie mit ihnen bei gutem Wind dahineilen und sich dessen freuen, erfasst sie plötzlich ein Sturmwind, und Wogen überdecken sie von allen Seiten, so dass sie glauben, rings umschlossen zu sein. Da rufen sie Gott in lauterem Glauben: "Wahrlich, wenn Du uns hieraus errettest, sind wir Dir gewiss dankbar!"
Wenn Wir sie jedoch gerettet haben, üben sie auf Erden wieder Gewalt aus, ohne jede Rechtfertigung. O ihr Menschen! Eure Gewalttätigkeit richtet sich doch nur gegen euch selbst. Ihr genießt das irdische Leben ja nur auf Zeit. Dann ist eure Heimkehr zu Uns, und Wir werden euch eröffnen, was ihr getan habt. (Sure 10:22-23 - Jonas)
Es ist nicht einfach, von einem sinkenden Schiff mitten im Ozean gerettet zu werden. In dieser Situation sieht der Mensch dem sicheren Tod entgegen, und keine einzige der gottlosen Vorstellungen, auf die er bis dahin vertraute, können nun helfen. Nur der Eine, der die Ozeane, den Sturm, die Schiff und die Dunkelheit kontrolliert, kann helfen – und das ist Gott, Herr und Besitzer überlegener Macht. Das bedeutet einfach, dass alle Mächte, von denen man glaubte, sie würden helfen können, machtlos sind. Es ist wirklich eine ganz verzweifelte Situation. So wird der Mensch auf dem sinkenden Schiff plötzlich zu beten beginnen, nunmehr sicher, dass Gott existiert und dass niemand ausser Gott ihn retten kann. Im Gebet wird er bescheiden und wendet sich Gott zu. Nun begreift er vollständig, dass niemand ausser Gott ihn retten kann aus der verzweifelten Situation und dass er nur dann gerettet werden wird, wenn Gottes so will.
Menschen, die normalerweise nicht zu Gott beten, oder sogar Seine Existenz verleugnet haben und sich nun in einer solch grässlichen Situation befinden, haben wahrscheinlich niemals die Möglichkeit in Betracht gezogen, sich auf diese Weise dem Tod gegenüber zu sehen. Üblicherweise ist der Tod für sie ein in weiter Ferne liegendes Ereignis, und so bleiben sie gleichgültig gegenüber dem Leben nach dem Tod, und sie vertrauen auf weltliche Unterstützung. Doch angesichts einer Situation, der sie sich noch nie zuvor gegenüber gesehen haben, wird die Existenz solcher Unterstützung bedeutungslos. Nun sind sie sich nicht mehr zu schade, zu Gott zu beten. In diesem Moment wenden sie sich Ihm im Gebet zu, auch wenn sie zuvor sogar die Wirksamkeit eines Hilfegebtes an Ihn angezweifelt hatten. Niemand erinnert sie daran, zu Gott zu beten, und das ist auch in der Tat nicht notwendig, denn sie wissen tief im Innern, dass Gott allein es ist, Der ihnen helfen kann. So nahe am Tode lassen die Menschen ihr Leben Revue passieren, denken an den unmittelbar bevorstehenden Tod, und plötzlich beginnen sie, an das Leben nach dem Tod zu denken. Sie erkennen, dass sie sich nicht die Mühe gemacht haben, Taten zu tun, die ihnen das Paradies sichern könnten, und plötzlich weid dies zu ihrer grössten Angst. Sie denken daran, wie sie ihre Zeit in diesem Leben verbracht haben. Jetzt können sie nicht mehr hochmütig, oder unbekümmert und nachlässig gegenüber der Religion sein. Nun handeln sie, als wären nicht sie es gewesen, die Gott zurückgewiesen hatten. Inzwischen sind sie sich ihrer Undankbarkeit vollständig bewusst geworden. Dass sie nun, da sie in einer verzweifelten Situation sind, das Bedürfnis zu beten verspüren, beweist, dass sie in Wahrheit immer gewusst haben, wie sie sich hätten verhalten müssen. Doch im Quran wird informiert, dass ein Ungläubiger, der sich angesichts solch verzweifelter Umstände zu Gott wendet und anerkennt, dass Er der Allmächtige ist, diese Aufrichtigkeit sofort wieder ablegt, wenn die Bedrohung vorüber ist. In verblüffender Weise kehrt er zu seinem früheren götzendienerischen Verhalten zurück. Ihr Bedauern und ihr Gottvertrauen werden urplötzlich wieder durch Unglauben und Undankbarkeit ersetzt. Er kehrt zu seiner früheren Nachlässigkeit zurück. Die Erleuchtung, die angesichts der Gefahr empfunden wurde, verschwindet plötzlich wieder. In der Sicherheit der verschwundenen Gefahr und der Erleichterung, empfinden sie nicht mehr das Bedürfnis zum Gebet.
Diese abnorme Psyche der Unwissenden und ihre Undankbarkeit wird im Quran beschrieben wie folgt:
Der Mensch ermüdet nie, wenn er um Gutes bittet; doch wenn ihn das Böse trifft, dann ist er verzweifelt und verzagt. Fürwahr, wenn Wir ihm Unsere Barmherzigkeit fühlen lassen, nach dem Leid, das Ihn betroffen hatte, dann sagt er bestimmt: "Das gebührt mir! Und Ich glaube nicht, dass die Stunde bevorsteht. Doch falls Ich zu meinem Herrn zurückgebracht werde, dann finde Ich bei Ihm gewiss das Beste." Doch Wir werden die Undankbaren wissen lassen, was sie getan haben, und wahrlich, Wir werden sie eine harte Strafe kosten lassen. Wenn Wir dem Menschen gnädig gewesen sind, kehrt er sich ab und hält sich abseits. Wenn ihn aber ein Unheil trifft, dann betet er lange. (Sure 41:49-51 - Fussilat)
All diese Verse erwähnen Menschen, die sich in der Not Gott zuwenden, jedoch undankbar sind, wenn sie errettet sind. Wie gesagt ist dies eine Handlungsweise, den Götzendienern eigen ist; was den Charakter der Gläubigen hingegen kennzeichnet ist, dass sie sich unter jedweden Umständen Gott zuwenden. Nicht nur in schweren Zeiten, sondern gerade auch in guten Zeiten des Wohlstandes wenden sie sich im Gebet zu Gott und preisen Ihn. Sie haben den festen Glauben, dass nur Gott ihnen helfen kann.
Die Undankbarkeit, wie im Falle desjenigen, der auf dem in Seenot befindlichen Schiff zu Gott betet, aber dann vergisst, wer ihn rettete ist eine Neigung, die jedermann’s Seele anhaftet. Der Zweck dieser im Quran beschriebenen Erzählung ist es sicherlich, die Götzenanbeter zu verurteilen. Doch jeder sollte Lehren daraus ziehen und eine derartige Haltung vermeiden. Jeder sollte seine eigene Situation ernsthaft überdenken und seine Anschauung korrigieren.
Überdenken Sie jemals Ihre eigene Situation?
Beten Sie inbrünstiger, wenn sie in einer Notlage sind, so wie die Menschen auf dem Meer, die vom Sturm überrascht wurden? Wenden Sie sich nur dann an Gott, wenn Sie in Schwierigkeiten sind? Neigen Sie dazu, Gott nur wenig Aufmerksamkeit zu schenken, wenn Sie glücklich und beruhigt sind?
Wenn das so ist, dann müssen sie Ihre Lage überdenken. Sie müssen Lehren aus dem Vorfall im Meer ziehen und danach trachten, nicht wie diese Götzendiener zu sein, die auf dem Schiff beteten und undankbar waren, als sie errettet wurden. Sie müssen bereuen und um Vergebung bitten, denn die Pflicht eines jeden Gläubigen ist es die Charakterzüge der Ungläubigen und Götzendiener zu vermeiden und danach zu trachten, die Charakterzüge der Gläubigen anzunehmen. Einer davon ist die ständige Erinnerung daran, dass sie Gottes Diener sind, ob es ihnen gut geht, oder ob sie in Not sind. Sie wenden sich immer zu Gott und sind dankbar.
Wir müssen daran erinnern, dass nur in Notzeiten zu beten eine unaufrichtige Haltung ist. Im Quran wird berichtet, dass selbst die unverschämtesten Menschen, die gegen Gott und Seinen Gesandten rebellierten, in schweren Zeiten zu Gott beteten.
Pharao ist der Archetyp solch eines Charakters. Pharao, der sich im alten Ägypten selbst zum Gott proklamierte und hochmütig wurde, behandelte Moses und sein Volk auf grausame Weise und bestritt Gottes Existenz, trotz der vielen Wunder, deren Zeuge er wurde, und trotzdem Moses im Gottes Botschaft überbrachte. Pharao’s Leugnen und sein Hochmut endeten erst mit seinem Tod. Doch als er erkannte, dass der Tod nahte und er keine Hoffnung auf Rettung mehr hatte, begann er verzweifelt zu beten und behauptete, auch er sei ein Muslim – ein Mensch der sich Gott unterwirft. Im Quran wird darüber berichtet wie folgt:
Und Wir führten die Kinder Israels durchs Meer. Da folgte ihnen Pharao mit seinen Heerscharen in wütender Feindschaft. Als sie am Ertrinken wären, rief er: "Ich glaube, dass es keinen Gott gibt als den, an welchen die Kinder Israels glauben, und ich bin einer der Gottergebenen!" (Sure 10:90 - Jonas)
Die Gläubigen müssen auch dieses im Quran berichtete, verdrehte Gebetsverständnis beachten. Alle Gläubigen, die den Quran lesen, stehen in der Verantwortung, dessen Gebote zu beachten. Gott warnt in diesen Versen die Gläubigen und macht klar, dass Er von Seinen Dienern in jeder Lebenslage ihr Gebet erwartet. Hier wird der grosse Unterschied deutlich zwischen dem Gebetsverständnis des Gläubigen und dem der unwissenden Menschen. Gläubige unterwerfen sich unserem Herrn, dem Einen, der unendliche Segnungen schenkt. Sie wissen, dass ihr wahrer Freund und Beschützer Gott ist. Aus diesem Grund beten sie nur zu Ihm und bitten nur Ihn um Hilfe. Die Unwissenden erinnern sich nur dann an das Gebet, wenn sie in schrecklicher Not sind. Ansonsten gesellen sie Gott andere Götter bei und erwarten von ihnen Hilfe. Wegen dieser Ignoranz wartet auf sie unausweichlich eine schmerzvolle Bestrafung, in dieser Welt und im Jenseits.